Joachim Falkenhagen
Unsere Freizeit
Es muss im Jahr 1962 gewesen sein, als mein Vater mit mir nach Südtirol gefahren ist um dort den Sommerurlaub zu verbringen. Wir wurden von der Familie Blaas sehr freundlich aufgenommen. So fahren meine Frau Sylvia und ich Jahr für Jahr nach Südtirol, in dieses Dorf und zu dieser Familie und machen mit meiner Familie Urlaub in Südtirol. Mittlerweile fühlen sich auch unsere Kinder, Enkel und einige unserer Freunde dort so wohl, dass auch sie Menschen und Region in ihr Herz geschlossen haben.

Zugleich ist dieses schöne Land ein mahnendes Beispiel für die Unsinnigkeiten, die die früheren Nationalstaaten betrieben haben. Meine Frau und ich stehen hier bei Plamort/Reschen in einer Höhe von etwa 2.500 Metern an einer Panzersperre, die im Verlauf des letzten Weltkrieges errichtet worden ist.
Nicht weit von dieser Stelle (Ortler/Stilfser Joch) gewinnt man einen Eindruck von den Kämpfen, die in den Weltkriegen im Hochgebirge ausgetragen wurden und sich Menschen in Eis und Schnee gegenüberstanden, ausharrten oder starben. Hier spürt man den nationalistischen Unsinn hautnah und hofft auf ein Vorankommen der europäischen Einheit.
Hier oben (und anderswo) trifft man auch viele junge Menschen, die Freude an der Begegnung und an der Bewegung im Gebirge haben.
Während unseres Aufenthaltes kochen wir dann Jahr für Jahr an den ersten Urlaubstagen Marillenmarmelade. Dazu verwenden wir heimische Früchte, die wir zum Teil auch selber auf den Almen pflücken. Davon zehren wir dann ein Jahr lang, bis zu unserem Aufenthalt im nächsten Jahr.

Wir wissen, dass es etwas „schräg“ ist, im Urlaub 30 Kilo Marillen zu Marmelade zu verarbeiten. Aber wir haben Freude daran – und genießen sie!

Mindestens einmal im Jahr fahren wir in die östlichen Bundesländer, meist so um den 3. Oktober, um das Miteinander in Deutschland auch zu leben und nicht nur darüber zu diskutieren.